Verbünde


 

selbsthilfe Flyer Selbsthilfegruppen
(351 kb pdf)
ambulante Flyer Ambulante Rehabilitation Sucht
(3.9 mb pdf)
uebersicht    

Durch Vernetzung suchtkranken Menschen gezielt und besser helfen

Diakonischer Suchthilfeverbund Südhessen stellt interdisziplinäres Angebot vor

Darmstadt. „Suchtkranken Menschen Teilhabe und Integration in die Gesellschaft ermöglichen: das ist Ziel unserer Suchthilfearbeit.“ Mit diesen Worten stellte Wilfried Knapp, Vorstand Personal, Organisation und Finanzen des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau (DWHN), am Freitag den Diakonischen Suchthilfeverbund Südhessen erstmals der Öffentlichkeit vor. In dem Verbund haben sich 15 südhessische diakonische Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe und der Suchtkranken-Selbsthilfe unter Federführung des DWHN zusammengeschlossen.

Knapp erläuterte: „In letzter Zeit haben sich – orientiert am Bedarf betroffener Menschen – viele Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe weiter entwickelt. Neue Herausforderungen und neue Abhängigkeitsformen werden durch eine abgestimmte Zusammenarbeit fachlich bereichert. Dabei ist es für suchtkranke Menschen wichtig, schnell den richtigen Ansprechpartner und das richtige Hilfeangebot zu finden.“ Die Vernetzung von Selbsthilfe, Suchtberatung, Vermittlung in Entgiftung, in ambulante und stationäre Therapie, sowie in die Nachsorge zur Sicherung der Abstinenz sei dabei zentrales Anliegen des Verbundes.

Der Verbund ermöglicht durch interdisziplinäre Kooperation und Spezialisten – zum Beispiel für körperliche und psychische Krankheiten oder für Wohnungsfragen – die systematische Hilfeleistung für die häufig vielfältigen Problemlagen von suchtkranken Menschen. Dabei erfordern Behandlungsfortschritte oftmals Wechsel der Behandlungsinstitution, etwa von der Beratungsstelle in die Klinik. An diesen Schnittstellen besteht hohe Rückfallgefahr. Der Verbund stellt sicher, dass Patienten beim Wechsel zwischen Behandlungseinheiten nicht verloren gehen.

Neben der Hilfe für die Betroffenen und deren Familien sei ein wesentlicher Nebeneffekt, die Folgekosten einer Suchterkrankung für die Gesellschaft zu begrenzen und aufzufangen. Nach dem Jahrbuch Sucht 2007 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm entstehen rund 20 Milliarden Euro an Kosten alkoholbezogener Krankheiten, rund 8 Milliarden Euro durch alkoholassoziierte Erkrankungen und etwa 12,4 Milliarden Euro durch alkoholassoziierte indirekte Erkrankungen. „Suchterkrankungen kosten meist Selbstachtung, Gesundheit und Lebensachtung – und sie kosten die Gesellschaft viel Geld, wenn die Betroffenen keine Hilfe erhalten", so Knapp.

Hambrecht: Einstieg für suchtkranke Menschen an jeder Stelle des Verbunds möglich

Professor Dr. Dr. Hambrecht, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift in Darmstadt brachte dies auf den Punkt: „Suchtpatienten erleben häufig eine Odyssee, bis sie adäquate Hilfe finden. Der Verbund ermöglicht, aktuell die Hilfe zu erfahren, die ihrer Situation, ihrer Motivationslage und ihrer körperlichen, psychischen und sozialen Verfassung entspricht. Sie können an jeder Stelle des Verbunds einsteigen, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe, im Krankenhaus oder in einer Beratungsstelle."

Hierzu sagte Herbert Everts, selbst ehemalig Betroffener und Leiter der ASS (Alkohol- und Sucht- Selbsthilfe Darmstadt): "Wir können endlich ein wirklich geschlossenes Hilfsangebot machen! Oftmals findet zuerst Vorsorge in den Selbsthilfegruppen, Vermittlung in Beratungsstellen, Entgiftung im Krankenhaus, stationäre oder ambulante Therapie in diakonischen Einrichtungen und danach Festigung der Abstinenz in Selbsthilfegruppen statt. Durch den Suchthilfeverbund arbeitet die Suchtselbsthilfe sehr stark mit den Professionellen zusammen. Dieses war in der Vergangenheit oft nicht möglich. Auch dass die verschiedenen Selbsthilfeorganisationen eng zusammen arbeiten, war in der Vergangenheit nicht so üblich."

Komplexen Herausforderungen in der Suchtkrankenhilfe im Verbund begegnen

Suchtkranke zeigen zunehmend eine Kombination gravierender medizinischer, psychischer und sozialer Probleme. Zu den "altbekannten" Suchterkrankungen wie Alkohol- oder Opiatabhängigkeit treten neue Süchte hinzu: Internet-Spielsucht, Neue-Medien-Abhängigkeit, Cannabisabhängigkeit oder Polytoxikomanie, also eine Mehrfachabhängigkeit bzw. ein multipler Substanzmissbrauch. Der Verbund ermöglicht den beteiligten Institutionen, neue Herausforderungen gezielter und intensiver aufzugreifen, als dies einzelnen Einrichtungen möglich wäre.

Hinweis für Redaktionen:
Gerne vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner
in den Einrichtungen des Suchthilfeverbundes.


Stichwort: Diakonischer Suchthilfeverbund Südhessen - Breites Spektrum von Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe

Selbsthilfe

Südhessen wird durchzogen von Freundeskreisen, Selbsthilfegruppen und Begegnungsgruppen. Träger sind Selbsthilfe- und Abstinenzverbände wie die Arbeitsgemeinschaft der Freundeskreise in Hessen und Nassau, das Blaue Kreuz in Deutschland, aber auch einzelne Freundeskreise in den Städten Frankfurt, Darmstadt und Mörfelden-Walldorf. Weitverzweigt mit Gruppen- und Beratungsstandorten arbeitet die ASS Alkohol- und Suchtselbsthilfe in Darmstadt und Umgebung.

Niedrigschwellige Einrichtungen

Die Selbsthilfe für die Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen legaler Suchtmittel bietet niedrigschwellige Einrichtungen für Menschen mit Abhängigkeit von illegalen Suchtstoffen. Hier zu nennen sind die akzeptierende Drogenarbeit "scentral" des Diakonischen Werks in Darmstadt mit Drogenkontaktladen, Notschlafplätzen, Substitutionsambulanz und Streetwork-Programm, sowie die Übergangseinrichtung der Stiftung Waldmühle in Mühlheim, ein stationäres Angebot für Drogenabhängige, die aus der "Szene" aussteigen wollen und sich über einen Zeitraum von maximal 3 Monaten darüber klar werden können, wie sie ihr weiteres Leben gestalten wollen.

Suchtberatungsstellen

Zu dem erwähnten Spektrum gehören ebenso Suchtberatungsstellen, die im Vorfeld von ambulanter und/oder stationärer Langzeittherapie mit Klienten motivationsfördernd arbeiten, das Antragsverfahren zur Kostenübernahme in Gang setzen, die Vermittlung in geeignete Therapieeinrichtungen sowie in die - bei stoffgebundenen Süchten - vorher notwendige Entgiftung vornehmen.

Therapieverbund Ambulante Rehabilitation Sucht

Integriert in den Diakonischen Suchthilfeverbund Südhessen ist darüber hinaus der von der Deutschen Rentenversicherung Hessen anerkannte "Therapieverbund Ambulante Rehabilitation Sucht". In diesem Beratungs- und Behandlungsverbund arbeiten die Ev. Suchtberatung Frankfurt, die Beratungsstelle "Zeitraum" des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg, die Jugend-, Drogen- und Suchtberatung Mörfelden-Walldorf, die Fachklinik Haus Burgwald in Mühltal und das Therapiezentrum Waldmühle in Darmstadt-Eberstadt eng zusammen. Für die Betroffenen sind hierdurch individuell zu gestaltende Therapieformen zwischen stationärer, ambulanter und Kombinationstherapie möglich.

Arbeits- und Wohnprojekte

Arbeits- und Wohnprojekte sind ein weiterer Baustein des Verbunds. Arbeit und Beschäftigung oder auch Ausbildung im Anschluss an eine Entwöhnungsbehandlung sind ein hoher Stabilisierungsfaktor. Die Träger der Rehabilitationseinrichtungen Fachklinik Haus Burgwald und Therapieeinrichtung Waldmühle haben an der Schnittstelle zur (Wieder-) Eingliederung in den Beruf Beschäftigungsprojekte initiiert. Im Projekt "Multiflex" der Stiftung Waldmühle in Pfungstadt stehen Beschäftigungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung. Auch das Projekt "MidKom" (Mobilität in der Kommune) der Fachklinik Haus Burgwald bietet Möglichkeiten der Arbeitserprobung und Reintegration. Wohngemeinschaften und betreutes Einzelwohnen für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen ermöglichen den Betroffenen ebenfalls, den Übergang zu einem suchtmittelfreien, selbstbestimmten Leben zu trainieren.

Betreutes Wohnen für chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke

Ein spezielles Angebot bietet das Diakonische Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim an mehreren Standorten des Kreisgebiets als Betreutes Wohnen für chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke. Hier finden Menschen nach vielen Jahren des "sozialen Abstiegs" eine neue Heimat und gewinnen neue Ressourcen für ihre Lebensgestaltung.

"Sucht im Betrieb"

Das Projekt "Sucht im Betrieb" der Stiftung Waldmühle richtet sich an Vorgesetzte und Mitarbeiter in Betrieben und Einrichtungen, die Schulungs-, Beratungsangebote und/oder ambulante Therapieangebote in Anspruch nehmen möchten.

Aus- und Fortbildungsangebote

Nicht zuletzt runden Aus- und Fortbildungsangebote der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau für haupt-, neben- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Suchtkrankenhilfe das Gesamtangebot ab.

(dw)